Geschichte

1963 wurde „Maria Regina Martyrum“, die Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, feierlich eingeweiht.

„Die Kirche in Deutschland ist nicht verloren, solange das Vermächtnis von Plötzensee in den Herzen brennt, dies zu zeigen, war Sinn des Katholikentages“, sagte der Präsident des 78. Deutschen Katholikentages 1958, Dr. Anton Roesen, vor etwa 130.000 Gläubigen im Olympiastadion auf der Abschlussveranstaltung. (78. Deutscher Katholikentag Berlin, S. 371)

Die Entstehungsgeschichte der Kirche

Das Gelöbnis
des Katholikentages 1958

„Die Katholiken Deutschlands gedenken auf dem 78. Deutschen Katholikentag 1958 in Berlin in Dankbarkeit und Ehrfurcht aller Christen, die um der Glaubens- und Gewissensfreiheit willen ihr Leben als Opfer hingegeben haben. (…) Wir danken den Blutzeugen, dass sie in der Dunkelheit, da Misstrauen und Hoffnungslosigkeit und Hass ihre Stunde hatten, Vertrauen, Hoffnung und Liebe aus christlichem Geist durch ihr Opfer bezeugt haben. Die Katholiken Deutschlands werden zum unvergänglichen Gedächtnis an das Opfer der Blutzeugen die Kirche „Maria Regina Martyrum“ erbauen.“
(78. Deutscher Katholikentag Berlin, S. 335)

Auf dem 75. Deutschen Katholikentag 1952 in Berlin rief der damalige Ortsbischof Wilhelm Weskamm die deutschen Katholiken zum Bau einer Gedenkkirche für die Martyrer des „Dritten Reiches“ in der Nähe der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee auf. Diese Idee nahm konkrete Gestalt an auf dem 78. Deutschen Katholikentag, der 1958 wieder in Berlin stattfand. Wenige Tage zuvor hatte es auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses Plötzensee eine Gedächtnisfeier für die Opfer der Hitlerdiktatur gegeben. Drei bis viertausend Widerstandskämpfer wurden im dortigen Hinrichtungsschuppen zwischen 1933 und 1945 ermordet. Etwa 30.000 Männer nahmen an dieser Gedächtnisfeier teil. Sie legten das Gelöbnis ab, für die Ermordeten eine Gedenkkirche in der Nähe von Plötzensee zu erbauen. Papst Pius XII. unterstützte in seiner Grußbotschaft an den Katholikentag ausdrücklich diesen Plan. Eine Kollekte in allen deutschen Diözesen machte den Bau der Gedenkkirche zu einer Angelegenheit des deutschen Katholizismus und bildete den Grundstock für den Kirchbau.

Die Baugeschichte

„Maria Regina Martyrum“ war von Anfang an als Gedenk- und als Gemeindekirche für die Katholiken in dem umliegenden Neubaugebiet Charlottenburg-Nord geplant. Nach einem Wettbewerb wurden der Würzburger Dombaumeister Hans Schädel zusammen mit dem Architekten Friedrich Ebert und Baudirektor Hermann Jünemann mit dem Projekt betraut. Pater Urban Rapp aus der Abtei Münsterschwarzach wirkte als künstlerischer und theologischer Berater mit.

1960 legte Kardinal Döpfner als Bischof von Berlin den Grundstein. 1963 wurde die Gedenkkirche fertiggestellt und feierlich eingeweiht von Kardinal Döpfner, seinem Nachfolger als Berliner Bischof, Alfred Bengsch, und dem Erzbischof von Chambéry.

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Schwesternportrait

Sr. Mirjam

Seit der Gründung unseres Klosters, dem Karmel Regina Martyrum, 1984, lebe ich hier, neben der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum. Dieser Ort, angebunden an den geschichtsbeladenen Ort in der Nähe, Plötzensee, war mir von Anfang an eine Herausforderung. Weiterlesen ...

Dieser Ort birgt ein Geheimnis.

Dieser Ort birgt ein Geheimnis; das erlebe ich, wenn ich allein in unserer Kirche bin, um einen Gottesdienst vorzubereiten, beim Schmücken der Kirche mit Blumen, wenn wir Gottesdienst feiern, am Werktag in der Krypta oder am Sonntag mit der großen Gottesdienstgemeinde in der Oberkirche oder wenn ich Einzelne und Gruppen begleite, die die Gedenkkirche besuchen.

Unsere Kirche bietet einen Raum an, jenseits von Erwartetem. Oft ist der Besucher zuerst einmal sprachlos, und ich teile diese Sprachlosigkeit immer wieder neu, angesichts des Ortes mit allem, was seine Architektur und Kunst vermitteln.

Ein Raum des Erinnerns an Dunkles und Lichtes tut sich auf. Alles, was ich mitbringe, hat Platz. Jedes Anliegen, jede Bitte kann ich bei der Pietà in der Krypta mit dem Entzünden einer Kerze ablegen. Bei vielen Besuchern erlebe ich eine tiefe Dankbarkeit und ein großes Vertrauen, dass wir Schwestern ihre Sorgen, hier an diesem Ort, mit in unsere Fürbitte hineinnehmen.

In der Oberkirche lädt mich das große Altargemälde von Georg Meistermann ein, Gottes Verheißung zu trauen.

So ist diese Kirche, neben der ich leben darf – mit der ich lebe – für mich immer mehr zu meinem Ort geworden – ein spiritueller Ort der Stille, des Gebetes – ein Ort des Gedenkens und Erinnerns – auch ein ökumenischer Ort, denn unsere gelebte Ökumene hier baut auf der Ökumene der Märtyrer von Plötzensee auf. Unsere Gedenkkirche ist ein Ort der Begegnung für viele: Christen und Nichtchristen, für Glaubende und Nichtglaubende, für Menschen aus verschiedenen Kulturen, für Kunstinteressierte und Geschichtskundige, für Junge und Alte.

Ich erlebe, wie junge Menschen die Botschaft dieses Ortes verstehen, sie ahnen das Unverstehbare, das die Kunst anschaulich macht. Sie begegnen hier Vergangenem, auch dann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt – und sie begegnen gleichzeitig Gegenwärtigem. Mahnende Erinnerung kann zur wachen Verantwortung werden. So stärkt dieser Ort. Für mich ist es ein Hoffnungsort. Er hilft mir und vielen, die hierherkommen, den Verheißungen Gottes heute zu trauen.

Sr. Mirjam Fuchs OCD

Wer suchet, der findet!

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht,

Gott ändert sich nicht.
Die Geduld
erlangt alles.

Wer Gott hat,
dem fehlt nichts.
Gott nur genügt.