KARMEL REGINA MARTYRUM BERLIN

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Johannes vom Kreuz - Glasfenster
Johannes vom Kreuz (1542-1591): Geistlicher Gesang
Bild vor dem Eingang zur Krypta nach einem Glasfenster von Claudia Krämer im Kreuzgang des Karmelitinnenklosters Vilsbiburg

SPIRITUALITÄT DES KARMELS


Die Spiritualität des Karmels hat, entsprechend der ihr eigenen Offenheit und Weite, sehr verschiedene Ausprägungen erfahren:

Teresa von Avila (1515-1582) lebt aus der Erfahrung der Nähe Gottes. Das geistliche Leben ist für sie ein Weg wachsender Freundschaft mit Jesus.

Nada te turbe

nada te espante;

todo se pasa,

Dios no se muda.

La paciencia

todo lo alcanza.

Quien a Dios tiene

nada le falta.

Sólo Dios basta.


Nichts soll dich verwirren,

nichts dich erschrecken.

Alles vergeht,

Gott ändert sich nicht.

Die Geduld

erlangt alles.

Wer Gott hat,

dem fehlt nichts.

Gott nur genügt.



Für Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist Gott der "Geliebte der Seele", den er in der dunklen Nacht des Glaubens sucht.

Wie gut weiß ich den Quell,

der fließt und strömt,

obwohl es Nacht ist.

1 Ja, jene ew’ge Quelle ist verborgen.
Doch weiß ich gut, wo ihre Bleibe ist,
obwohl es Nacht ist.

2 Den Ursprung kenn ich nicht, denn sie hat keinen.
Doch aller Ursprung stammt aus ihr. Ich weiß es,
obwohl es Nacht ist.

3 Ich weiß, daß nichts so schön sein kann wie sie,
daß Himmel und die Erde aus ihr trinken,
obwohl es Nacht ist.

4 Ich weiß, es findet sich kein Grund in ihr,
und keines Menschen Fuß kann sie durchwaten,
obwohl es Nacht ist.

5 Die Klarheit, die sie hat, wird nie verdunkelt,
und alles Licht – ich weiß es – stammt von ihr,
obwohl es Nacht ist.

6 Ich weiß, daß ihre Ströme, reich an Wasser,
die Hölle, Himmel und die Völker tränken,
obwohl es Nacht ist.

7 Der Strom, den dieser Quell aus sich entläßt
ist mächtig, ja allmächtig, wie ich weiß,
obwohl es Nacht ist.

8 Dem Strom, der aus den beiden hier hervorgeht,
ich weiß’s, geht keiner von den zwein voran,
obwohl es Nacht ist.

9 Ja, diese ew‘ge Quelle ist verborgen
in diesem Brot, um Leben uns zu geben,
obwohl es Nacht ist.

10 Von hier wird alle Kreatur gerufen,
und dieses Wasser sättigt sie – im Dunkeln,
weil es ja Nacht ist.

11 Den Lebensquell, nach welchem ich mich sehne,
in diesem Brot des Lebens seh‘ ich ihn –
jedoch bei Nacht.


Therese von Lisieux (1873-1897) entdeckt die Gegenwart Jesu in den Banalitäten des Alltags und in ihrer eigenen Schwäche; sie geht den "kleinen Weg" des unbedingten Vertrauens.

Edith Stein - Teresia Benedicta vom Kreuz - (1891-1942) versteht ihre rastlose Wahrheitssuche rückschauend als "ein einziges Gebet". Gott finden schließt für sie Respekt vor jeder religiösen Überzeugung ein. Ihre tiefe Verbundenheit mit ihrem Volk findet in ihrer Ermordung als Jüdin in Auschwitz ihren Höhepunkt.